d13

Liebe Klassenfreunde,

anlässlich Tag 1 nach der dOCUMENTA(13) möchte ich gerne ein paar Gedanken zu diesem Sommer festhalten. Auch, weil ich am ersten Klassentreffen wegen einer Ausstellung in Hamburg nicht teilnehmen kann.

Laurence Weiner ist ein putziger, alter Mann! Gesehen habe ich ihn am ersten Tag, sein Begleitbuch gekauft am zweiten Tag und rausgefunden dass er die Schaufensterscheibe vor der Rotunde platziert hat am vorletzten Tag beim Vortrag von Beat Wyss zur Kritischen Szenografie. Ein super Eingriff, oder? Sein Begleitbuch (No. 0008) verstehe ich trotzdem nicht – wer kann und will kann es mir gerne erklären. Gestern bin ich dann noch einmal kurz ins Fridericianum gegangen und habe mich über die kleinen Kinder mit Laufrädern amüsiert, die vor dem Schaufenster gespielt haben.

Die Antwort auf viele meiner Fragen hat Walid Raad gegeben. Seine Form der performativen Führung durch die Ausstellung gab ihm die Möglichkeit, alles zu behaupten was ihm in den Sinn kam. Ich jedenfalls habe ihm wirklich geglaubt, dass Farben durch Kriege verloren gehen. Sicherlich braucht man aber auch Charisma, damit sowas funktioniert! Eine weitere wichtige Arbeit für mich war die #55 im Hauptbahnhof Nordflügel. Haris Epaminonda und Daniel Gustav Cramer bekommen ein verschachteltes kleines Häuschen gestellt und installieren unglaublich Präzise Bilder hinter Sockeln, Bücher, Briefe, Nippes. Der unterschied zu vielem anderen formalästhetischen Klimbim das man so kennt, ist die Poesie, mit der eine Geschichte über die Vergangenheit verschiedener unbekannter Personen erzählt wird. Ich habe mich so gefühlt wie bei der Wohnungsauflösung von Ralf Rößlers Vater. Nur dieses mal stellte sich noch die Frage nach Realität und Fiktion und jeder konnte sich diese Frage selbst beantworten.

Ich könnte jetzt über die Soundinstallation im C&A, Tacita Dean in der Spohrstraße 7, Tino Segal, Doug Ashfords Pavillion im Park oder Andrea Büttner in der Neuen Galerie reden, aber wirklich beeindruckt hat mich rückblickend vor allem Konrad Zuse.

Irgendwie passend, dass im Staatstheater bald Metropolis aufgeführt wird und mit Live Musik begleitet wird. Zuse hat seine ersten utopischen Bilder 1 Jahr bevor Metropolis uraufgeführt wurde im Alter von 16 gemalt. 12 Jahre später erfand er das 0/1 Prinzip. Der große unterschied zu z.B. dem Raum mit Arbeiten von Salvador Dali und den DNA Tubes im Fridericianum ist, das Zuse beides (Wissenschaft und Kunst) geschaffen hat und der kuratorische Eingriff bei ihm im Gegensatz zur bemüht wirkende Präsentation der DNA als Kunstobjekt, minimal bleibt.

Noch eine schöne Geschichte von den Previewtagen: Willy Daugherty stand bei seiner Videopräsentation im Südflügel und hat Müll weggeräumt, den die Besucher in seinem Raum liegen ließen. Ich finde, das ist Einsatz!

Auf ein produktives Semester,

Daniel

 

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